"Zaungast und der Kosmokrator" ist eine bizarr-phantastische Erzählung voll von haarsträubenden, abstrusen Geschehnissen, voller Bosheiten und Scheußlichkeiten, die aber durch eine seltsame Form vergeistigten Humors erträglich, goutierbar wird. Ein Konglomerat aus Edgar Allan Poe, Ionescos absurdem Theater, Nietzsches Philosophie und Helge Schneider, verpackt in einen sich völlig konfus gestaltenden und (hoffentlich) dennoch spannenden Kriminalfall.
Stefan Staude, der Bürgermeister, döste in seinem rotblau gestreiften Liegestuhl
in den Tag hinein. Sein Geist schwebte in jenem Dämmerzustand, der noch
nicht Schlaf, aber schon nicht mehr Wachbewußtsein ist. Er vermochte das
Schwirren, das durch den Äther an sein Ohr getragen wurde, nicht zu klassifizieren,
keinem ihm bekannten und vertrauten Geräusch zuzuordnen. Er nahm es auch
nur unterschwellig wahr, so wie ein Küstenbewohner das stete Rauschen der
Meeresbrandung wahrnimmt. Dennoch registrierte er etwas an diesem Schwirren,
etwas Eigenartiges, daß es als nicht zugehörig zeichnete allgemein menschlichem
Erfahrungsschatz; etwas, das sich als unbedingt fremdartig auswies. Es
schwoll an, kam näher, und gipfelte in einem schwingenden Paroxysmus, einem
Vibrato rülpsender Entsetzlichkeit, und ein Schatten flog über Herrn Staudes
Augen und warf ominöse, aus dem Gegenspiel von Licht und Dunkel gezeugte
Formen, auf die herabgesenkten Lider des im Halbschlaf Versunkenen.