Heft #31 zu
Stadtplanen und -pannen
nimmt die Stadt als komplexen Knoten- und Begegnungspunkt kontrastierender Werte in den Fokus und mit ihr die spezifische Wahrnehmung, die sie ermöglicht, formatiert, verschleift und zeitweise durch Pannen zu einer Neuordnung veranlasst.Die Städte wachsen und verdichten sich. Wer es sich leisten kann, ist am Sprung zum eigenen Landsitz, während in den unattraktiveren Lagen ganze Dörfer sterben. Die Stadtplanung in europäischen Metropolen entwickelt kleinteilige, teils künstlich rurale Formen aus sich heraus. Die Digitalisierung von Diensten und die Gewöhnung ans Online-Shopping verwandeln indessen die wohlhabenderen Bezirke in von Lieferungen durchkreuzte Geistergelände, Kulissen, in denen das städtische Leben nur mehr sonntags als adrettes Markttheater stattfindet. Gentrifizierungsprozesse ersetzen kosmopolitische, öffentliche Räume mit deren hart bewirtschafteten Imitationen, die in ihrer Durchgeputztheit zur Zelebration der Schere zwischen arm und reich geraten. Vom Stress der Kontraste erholen sich die Innenstadtbewohnernnnie in ihren qualitativ ausgestatteten, dreifach verglasten Eigentumswohnungen, während die anderen in ihre leistbaren Vorstadtwüsten zurückpendeln. So wird Stadt von einem notwendig belebten Verkehrsraum auf ein fakultatives, greengewashedes, unter Verbannung aller Industrien verschönertes Rekreationsgelände reduziert. Hoffnung für
Stadt
als ereignisreichen Kreuzungspunkt diverser Stränge suchen wir also in den Problemen, Pannen und Blockaden, an denen noch unfreiwillige Begegnungen stattfinden. Möglicherweise können Havarien die Planernnnie und Beplanten vor dem zu kurz gedachten Guten bewahren?