Im April 1978 beschließt Roland Barthes, einen Roman zu schreiben, kommt aber über Stichworte nicht hinaus. Die Erfahrung dieses Scheiterns macht er in den folgenden Jahren zum Thema der theoretischen Arbeit: Er widmet dem Übergang »vom Schreiben-Wollen zum Schreiben-Können« zwei Vorlesungen am Collège de France. Darin geht er der Frage nach, wie aus verstreuten Ideen ein Textkontinuum entsteht, das einen »Realitätseffekt« erzeugt. Er behandelt aber auch, am Beispiel von Proust, Flaubert und Tolstoi, den Prozeß des Schreibens sowie die »diätetischen Regeln«, denen sich die Autoren unterwerfen - die Einsamkeit, die Nacht, die Stimulanzien ?
»Die Vorlesung ist das bewegende Dokument einer intellektuellen Metamorphose und biographischen Zäsur. Sie handelt von einem Strukturalisten, der ein neues Leben - das heißt für ihn: ein neues Schreiben - beginnen will und davon träumt, dass aus ihm der Erzähler eines Romans heraustritt, wie aus Marcel Proust der Ich-Erzähler 'Marcel' heraustrat.«